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Teil 2: Praktischer Unterricht



Am Bus wird zunächst auf die Größe und das Gewicht des Fahrzeugs hingewiesen. Dazu dient der Vergleich (Gewicht wie vier Elefanten), oder das Überfahren einer großen, rohen Kartoffel! Gerne wird auch ein alter Turnschuh genommen, in den ein fünf Euro-Schein gesteckt wird. Jetzt fährt der Bus auf den Turnschuh und wer ihn unter dem Reifen hervorziehen kann, darf die fünf Euro behalten!


Beim Warten auf den Bus nicht schubsen, raufen oder Fangen spielen. Abstand zur Fahrbahn halten! Der Fahrer kann Dinge oder Personen, die sich direkt vor dem Fahrzeug befinden nicht sehen! Hier können sich gerne einmal Kinder auf den Fahrersitz setzen, die anderen „schleichen“ sich ungesehen direkt vor dem Bus vorbei!

Der Bus überfährt durch seine Länge viele Flächen des Gehwegs und der Bushaltestelle, die der Busfahrer auch oft nicht einsehen kann. Vorsicht daher ganz besonders beim Einfahren des Busses in die Haltestelle geboten. Mit Kegeln oder einer Tonne kann dies eindrücklich demonstriert werden!


Einsteigen üben: Mit der Stoppuhr die Zeit messen, die „gedrängelt“ gebraucht wird, und danach die Zeit für das geregelte, ruhige nacheinander Einsteigen! Beim Einsteigen immer gleich nach hinten im Bus durchgehen!


So können alle ohne Gedränge ganz einsteigen, denn, man darf niemals im Bereich der Türen oder gar des Einstiegs neben dem Fahrer stehen!


Auch das Sitzen will gelernt sein: Mit dem Rücken ganz an die Rückenlehne, den Schulranzen während der Fahrt auf den Schoß oder zwischen die Füße nehmen. Niemals den Schulranzten auf dem Rücken aufbehalten, man sitzt viel zu weit vorne und rutscht bei einer Bremsung vom Sitz!


Beim Stehen den Schulranzen zwischen die Füße klemmen und sich selbst an Griffen, Stangen oder Schlaufen gut festhalten!


Den Schülerinnen und Schülern sollte – ohne Angst zu verbreiten – der Gebrauch der Sicherheitseinrichtungen erklärt werden: Nothämmer und Krümelglas der seitlichen Notausstiege und Öffnen der Dachluken. Wo ist der Verbandskasten? Was bedeuten die Piktogramme im Bus? Auch das Öffnen der Ein- und Ausstiegstüren im Notfall – Druck ablassen und seitliches Aufschieben – sollte gezeigt und geübt werden. Besonders „mutige“ dürfen dann die Funktion der Reversiereinrichtung vorführen: Beim Schließen der Türe halten sie ein Bein / Knie in die Tür, die sich wie von Zauberhand wieder öffnet. Hier kann auch mit einem Schirm demonstriert werden, dass dies nur bei entsprechend dicken Dingen passiert. Aus Gründen der Nachahmungsgefahr sollte darauf verzichtet werden, bei der Demonstration nur eine Hand oder einen Gurt in die Türe zu halten.


Neben der Technik und den Fahrgästen ist der Fahrer das wichtigste Glied in der Sicherheitskette! Daher sollen sich die Schülerinnen und Schüler freundlich und ruhig im Bus verhalten. So kann der Fahrer „seinen Job machen“ und ist nicht abgelenkt. Ein freundliches „Guten Morgen!“ macht sich bezahlt: Der Fahrer erinnert sich an einen und lässt einen auch mal mitfahren, wenn man seine Fahrkarte vergessen hat.

Ebenfalls sollte man zu seinen Mitschülern nett und freundlich sein: Wenn man dennoch geärgert wird, sollte man laut und deutlich und für alle hörbar „Hör auf damit!“ oder „Lass dass, das tut mir weh!“ rufen.


An dieser Stelle kann auf die Folgen von Vandalismus hingewiesen werden, die Kosten für kaputte Sitze werden durch den Fahrpreis auf alle umgelegt, abgesehen davon ist das mutwillige Zerstören oder der Diebstahl von Nothämmern etc. strafbar. Bei Ermittlung des Täters wird von den Eltern Schadenersatz gefordert. Dies gilt übrigens auch für die Wartehäuschen und die dortigen Installationen!


Auch beim Aussteigen gilt: Zügig, aber ruhig hintereinander aussteigen, auf Radfahrer andere Fußgänger achten und gleich wieder den Platz auf dem Gehweg frei machen! NIEMALS direkt vor dem Bus über die Straße laufen! Hier kann an den Anfang des Praxisteils erinnert werden, als ein Kind auf den Fahrersitz saß und die anderen sich vor dem Bus ungesehen vorbeischlichen!

Und natürlich den „Halteknopf“ nur drücken, wenn man aussteigen will. Ansonsten hat man selbst den Schaden und kommt erst später zum Mittagessen!


Nach dem Aussteigen unbedingt an der Haltestelle warten, bis der Bus weg ist. Erst dann über die Straße gehen! Vorher sehen einen die Autofahrer nicht, weil der Bus die Sicht total verdeckt. Also: Warten und dann erst losgehen. Und natürlich: Ist ein Zebrastreifen oder eine Ampel in der Nähe, diese auch benutzen! Es ist doch schön, hier einmal „Vorfahrt“ zu haben!
Jetzt kommt, auf was alle mit Spannung warten, der „Bremstest“! Hier gilt: Genaueste Einweisung der Schülerinnen und Schüler durch den Trainer! Richtiges Sitzen und Festhalten muss vorher kontrolliert werden! Genauen Ablauf klar machen: Anfahren, kurze Fahrt (ohne folgendes Fahrzeug hinter dem Bus) und dann vom Trainer laut angekündigt („Fünf! Vier! Drei! Zwei! Eins! Bremsung!“ die Bremsung des Busses. Zur Demonstration der Fliehkraft kann eine Plastiktonne hinten in die Gangmitte gestellt werden. Diese fliegt bei der Bremsung quer durch den Bus bis vorne zum Fahrer!

Bitte unbedingt beachten: Alle im Bus befindlichen Personen  müssen sich gut und sicher festhalten! Auch die Lehrer! Es dürfen, außer der „Demo-Tonne“ keine losen Gegenstände im Bus herumliegen! Der Bus darf mit allerhöchsten 25 Km/h fahren, eher weniger, die Straße sollte eben und gerade verlaufen und es muss vom Fahrer unbedingt auf eventuell nachfolgenden Verkehr geachtet werden. Am besten natürlich macht man den Bremstest auf für den öffentlichen Verkehr gesperrten, nicht-öffentlichen Gelände, falls möglich.

Wenn sich die Klasse nach dem Bremstest wieder beruhigt hat, können die wichtigsten Elemente des Trainings nochmal ganz kurz wiederholt oder auch bei den Kindern abgefragt werden.


Sodann Verabschiedung der Klasse, ggf. den bdo-Stundenplan „Sicher zur Schule“ mit den „Zehn goldenen Regeln“ austeilen.

Unsere Erfahrung mit Schulbustrainings hat gezeigt, dass alle Seiten nur Vorteile daraus ziehen:

Zunächst natürlich die Schülerinnen und Schüler, die dadurch besser auf die Fahrt mit dem Schulbus vorbereitet sind, sich sicherer und umsichtiger verhalten und so das Unfallrisiko für sich selbst verringern. Der Fahrer berichtet oftmals von ruhigeren Fahrten zur und von der Schule, was wiederum die Konzentration auf seine Aufgabe als Fahrer fördert. Die Lehrer bekommen durch die entspanntere Fahrt ruhigere Schülerinnen und Schüler in die erste Stunde, der Unterricht kann so konzentriert und intensiv beginnen. Nicht zuletzt haben Omnibusunternehmer durch geringere Beschädigungen im Fahrzeug weniger Ausgaben für Reparaturen und Instandhaltung.